Popper für Trainer, Moderatoren und Führungskärfte

Splitter nach einem Gespräch mit Dr. Harald Stelzer
(und einer Flasche Junker), die wir hoffentlich bald weiter ausarbeiten zu einem Artikel, einem Skriptum, einem Vortrag, einem Seminarkonzept ...

Popper für TrainerInnen, ModeratorInnen, Führungskräfte
und für PolitikerInnen?

Splitter nach einem Gespräch zwischen Dr. MMag. Harald Stelzer und Bernhard Possert, 5.3.05

Falsifikation:
Grundidee: Versuch und Irrtum;
Menschen: Ideen sterben lassen statt dass wir selbst sterben müssen
„Ich will scheitern, damit ich lernen kann?“
Annäherungen an die Wahrheit
(grundsätzliche Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Wahrheit: nicht: was ist XX in Wahrheit? sondern Einigung: Wenn wir von XX sprechen, meinen wir ..., ok?)
Aufforderungen an andere, Kritik zu üben
Fehler grundsätzlich vermeiden wollen, einsehen, dass Fehler grundsätzlich nicht 100%ig vermeidbar sind, und dann die nicht-intendierten Folgen offen wahrnehmen!

Systematisierung von Lernprozessen: Lernende Organisation, Wissensmanagement, Evaluation, Qualitätsmanagement ...

Immunisierung von Strategien: Schaden für den Erkenntnisfortschritt, Schaden für das Unternehmen (wenn man etwas nicht wahr haben will ...)


Wie bekommen wir bei der ganzen „Kritik“ positive Gefühle her? Positive Gefühle, Positive Verstärkung ist nötig, um zu lernen;

Menschen sind „eitel“, haben Angst, verbinden ihren Selbstwert damit, dass ihre Ideen richtig sind;
Kulturveränderung im Großen und Persönlichkeitsveränderung im Kleinen, dass mein Wert als Mensch und meine Kompetenz als Trainer, Moderator, Fk etc. nicht davon abhängt, dass meine Ideen richtig sind, sondern dass ich lernen kann, dass ich fähig bin, Erkenntnisfortschritt zu erzielen und dementsprechend zu handeln.

möglicherweise Unterscheidung zwischen „Erkenntnis“-Fortschritt, der über Thesen und deren Kritik führt, und Verhaltenslernen, Persönlichkeitsentwicklung, die stark über positive Verstärkung laufen


Hier die Brücke zu David Bohm und dem Konzept des Dialog: Ideen in den Raum stellen, sich davon lösen, Annahmen sichtbar machen und hinterfragen

Meta-Ebene:
· Wir haben einen Fehler entdeckt? Hurra! Wir lernen!
· Was haben wir gut gemacht? Was hat sich scheinbar bewährt? Was führen wir fort (bis wir einen Fehler dabei gefunden haben, etwas besseres gefunden haben?)

in kleinen Schritten vorgehen,
Stückwerktechnik, vs. große Würfe, „Revolutionen“;

zb welche Konsequenzen für Veränderungen in Unternehmen:
Wie können wir Veränderungen so vornehmen, dass wir möglichst überprüfbar die Folgen der einzelnen Veränderungen überprüfen und bewerten können?

vorher schon: Operationalisierbarkeit herstellen, Indikatoren festlegen: woran werden wir merken, ob etwas erfolgreich war oder nicht?

 


Die Zukunft ist offen: Gewisse Dinge können wir wissen, Trends können wir aufgrund folgender Tatsachen erkennen, aber grundsätzlich bleibt die Zukunft offen: Welche Szenarien gibt es, was könnte unsere Antwort auf die verschiedenen Szenarien sein?
Also: Es ist müßig, darüber zustreiten, was WIRKLICH passieren wird, sondern: Überlegen: Was könnte alles passieren? Sammeln;
Austausch (ohne Anspruch auf Einigung): Was schätzen wir als mehr und weniger wahrscheinlich ein? Und dann: Was werden wir in welchen Fall (wahrscheinlich) tun?


Kreativität und Kritik:
eine kreative Spannung!
vgl. Disney-Modell und die Hüte von de Bono;
Wie man auf Hypothesen kommt, ist egal, dass können sehr kreative und ungewöhnliche Prozesse sein; aber was dann kommt: die kritische Überprüfung!

 


Tatsachen und Werturteile:
Diskutieren nicht über Tatsachen, sondern möglichst redlich recherchieren, erheben;
diskutieren über die Interpretation der Tatsachen, über Hypothesen über den Spielraum für die Tatsachen und vor allem über die Werte, die den Entscheidungen zugrunde liegen.

 


Zitat:

Keine Entscheidungen aus Tatsachen
Um diese Einstellung zu verstehen, muß man sich folgendes vor Augen halten: Entscheidungen lassen sich niemals aus Tatsachen (oder aus der Behauptung von Tatsachen) herleiten, obgleich sie sich auf Tatsachen beziehen. Zum Beispiel hängt der Entschluß, die Sklaverei zu bekämpfen, nicht von der Tatsache ab, daß alle Menschen frei und gleichberechtigt geboren werden und daß niemand in Ketten geboren wird. Denn selbst wenn wir alle als freie Menschen zur Welt kämen, könnten doch einige Menschen versuchen, andere in Ketten zu legen, und sie könnten dieses Vorgehen sogar für ihre Pflicht halten. Umgekehrt: Auch wenn die Menschen wirklich in Ketten geboren würden, so könnten doch viele von uns ihre Befreiung verlangen. Etwas genauer: Wenn wir glauben, daß eine Tatsache abgeändert werden kann (und das trifft etwa zu auf die Tatsache, daß viele Menschen an Krankheiten leiden), so können wir ihr gegenüber immer verschiedene Haltungen einnehmen: Wir können uns entschließen, einen Versuch zu ihrer Änderung zu unternehmen; wir können uns entschließen, jedem solchen Versuch Widerstand entgegenzusetzen; oder wir können uns entschließen, überhaupt nichts zu tun.
Alle moralischen Entscheidungen beziehen sich in der angegebenen Weise auf die eine oder die andere Tatsache, insbesondere auf Tatsachen des sozialen Lebens, und umgekehrt geben alle Tatsachen des sozialen Lebens, die man ändern kann, zu vielen verschiedenen Entscheidungen Anlaß. Das zeigt, daß sich die Entscheidungen niemals aus diesen Tatsachen oder einer Beschreibung dieser Tatsachen herleiten lassen.

Quelle: Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde 1, 1992, S.74f


bp, 5.3.05

 

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