PRESSEAUSSENDUNG:
Außergerichtliche Konfliktlösungsvarianten sollen forciert werden!
Steirische Mediatoren haben allen Klubobmännern der im Nationalrat vertretenen Parteien und der neuen Bundesregierung einen umfassenden Forderungskatalog übermittelt. Geht es nach den Grazer Experten sollen außergerichtliche Konfliktlösungen in Zukunft forciert und auch verpflichtend vorgeschrieben werden. Die Mediatoren sehen dadurch große Vorteile für Politik, Wirtschaft, Industrie, Umwelt und Familien. Die Mediation habe sich, so die Fachleute, als wichtige Methode der Konfliktregelung in nahezu allen europäischen Staaten entwickelt.
Konkret gefordert wird, bei allen EU- und anderen Großprojekten einen gewissen Budgetansatz für außergerichtliche Konfliktlösungsvarianten vorzusehen. Weiters wird verlangt, dass Gerichte und Verwaltungsbehörden betroffene Bürger über die Einsatzmöglichkeiten der Mediation im gesamten Familien-, Nachbarschafts- und Wirtschaftsbereich ausreichend informieren. Bei Projektvorhaben im öffentlichen Bereich sollen bereits im Vorfeld von Verwaltungsverfahren geeignete partizipative Methoden im Sinne einer Konfliktprävention eingesetzt werden.
In der Steiermark ist der Berufsstand der Mediatoren besonders aktiv. Drei Mediatorengruppen – das Grazer Netzwerk Mediation, die Experts Group der Wirtschaftsmediatoren und der Verband Steirischer Rechtsanwaltsmediatoren – haben im Vorjahr mit der Initiative für eine konfliktfreie Steiermark auf sich aufmerksam gemacht.
Graz, am 30.1.2007
Mediations-Forderungskatalog
Vorschläge für verstärkten Einsatz des Instrumentariums Mediation
Die Zahl von Konfliktfällen in unserer Gesellschaft ist – wie Sie aus eigener Berufserfahrung wissen und täglich aus den Medienberichten entnehmen - stark im Steigen begriffen.
Es gibt daher einen zunehmend gesellschaftlichen Bedarf an konstruktiven Konfliktlösungs-Varianten, wie insbesondere der Mediation.
Um den Nutzen der Mediation als erfolgreiche Konfliktlösungsmethode im Alltag, in der Wirtschaft und im Umweltbereich den Menschen näher zu bringen und damit eine gesunde Konfliktkultur im Land zu initiieren, haben im Sommer d.J. erstmals in der Steiermark 3 Mediatoren-Gruppen, und zwar das Grazer Netzwerk Mediation, der Verband Steirischer Rechtsanwalts-Mediatoren und die Expertsgroup der Wirtschafts-MediatorInnen in der Wirtschaftskammer Steiermark eine gemeinsame Initiative für professionelle Konfliktlösungen für eine „konfliktfreie“ Steiermark gestartet. Durch konkrete Leistungsangebote sollen die Vorteile dieses Weges der Konfliktlösung bekannter gemacht werden. Mit kostengünstigen Erst-Checks bei Konflikten im öffentlichen Bereich, in der Wirtschaft und in der Nachbarschaft soll allen Beteiligten eine zukunftsorientierte Konfliktlösung - ohne langwierige und kostenintensive Behörden - und Gerichtsverfahren- ermöglicht werden. Die angeführten 3 Mediatorengruppen ersuchen, den in der Beilage angeführten Mediations-Forderungskatalog dem Nationalrat in Form einer gemeinsamen Initiative zur weiteren Behandlung und Erledigung zuzuleiten!
Wir freuen uns auf eine Nachricht von Ihnen!
Koordinator Dr. Josef Puntigam eh.
Mediations-Forderungskatalog
Vorschläge für verstärkten Einsatz des Instrumentariums Mediation
Präambel
Ungelöste Konflikte jedweder Art ziehen gravierende ökonomische Folgen nach sich. Einerseits wirken sich Konflikte auf die psychische und physische Gesundheit mit den daraus resultierenden Folgen für die betroffene Person aus, andererseits ergeben sich daraus z.B. Arbeitsausfälle, Krankenhausaufenthalte, medizinische Behandlungen, Unfälle, Schul- und Ausbildungsverzögerungen bei Jugendlichen. Abgesehen von der sozialpolitischen Bedeutung gibt es daher auch starke ökonomische Gesichtspunkte, die ein verstärktes Einsetzen des Instrumentariums der Mediation erfordern!
Die Mediation hat sich als eine wertvolle Methode der Konfliktregelung in nahezu allen europäischen Staaten entwickelt.
Mediation: Vorteile für die Umwelt und Politik
Im Umweltbereich ist Mediation unter bestimmten Voraussetzungen das Konfliktlösungsmodell der Zukunft als Ergänzung zu bestehenden Wegen bei öffentlichen Projektvorhaben. Die Mitbeteiligung der Bürger führt oft zu besseren und nachhaltigeren Lösungen, die Projekte können für den Projektbetreiber rascher und somit kostengünstiger realisiert werden, und es fördert auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik und Verwaltung.
Wir fordern daher:
- Bei allen EU-Projekten und bei Großprojekten soll - ähnlich wie für die Planungskosten- automatisch ein gewisser Budgetansatz für außergerichtliche Konfliktlösungsvarianten vorgesehen werden.
- Bei Projektvorhaben im öffentlichen Bereich sollen frühzeitig, d.h. bereits im Vorfeld von Verwaltungsverfahren, mit betroffenen Personengruppen geeignete partizipative Methoden im Sinne einer Konfliktprävention eingesetzt werden.
Mediation: Vorteile im Alltag
Im täglichen Leben ist Mediation –rechtzeitig genutzt – ein hilfreicher Weg, um Eskalationen zu vermeiden, gerade wenn es um Streitigkeiten in der Familie, in der Nachbarschaft oder in der Wirtschaft geht:
- Es soll daher gewährleistet werden, dass die Gerichte und Verwaltungsbehörden die betroffenen Bürger über die Einsatzmöglichkeiten der Mediation im gesamten Familien-, Nachbarschafts- und Wirtschaftsbereich ausreichend informieren.
- Weiters soll über die bereits seit vielen Jahren bestehende und großteils noch immer unbekannte geförderte Familienmediation eine groß angelegte Informationsoffensive durchgeführt werden.
- Wie bereits vom Gesetzgeber im Jahr 2004 bei Nachbarschaftsstreítigkeiten begonnen , soll die Mediation im Zivilrechtsbereich bei allen nachbarschaftlichen und familiären Konflikten gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben werden, bevor diese gerichtsanhängig werden.
Mediation: Vorteile für die Wirtschaft einschließlich Landwirtschaft
Auch für die Wirtschaft können kostenintensive Konflikte mit Hilfe der Mediation zeit- und kostensparender gelöst und eine weitere gemeinsame Zusammenarbeit oder Mitarbeit der Konfliktpartner realistischer werden:
- Es soll daher zur Konfliktvermeidung bei Bauvorhaben–ähnlich wie die Baukoordination- die Information über den möglichen Einsatz der Mediation gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben werden.
- Weiters soll bei Betriebsnachfolgen und Betriebsübergaben die Information über die Mediation als ein hilfreiches Modell der Konfliktlösung verstärkt von den beratenden Stellen empfohlen werden.
Wir ersuchen Sie als Haupt-Verantwortungsträger…
in der Politik dazu beizutragen, dass mit Hilfe der oben angeführten Vorschläge zum verstärkten Einsatz der Mediation große volkswirtschaftliche Schäden im Gesundheitsbereich (z.B. durch Krankheitskosten), im Arbeitsbereich (z.B. durch Mobbing, Krankenstände)
und im Sozialbereich (z.B. durch psychosoziale Nachbetreuung, Frühpensionierungen) vermieden werden können!