Was haben Sprengstoff und Brigitte Bardot mit der unsichtbaren Essenz von Gemeinschaften zu tun? Eine Modell, das sich auf die eigenen Gemeinschaften anwenden lässt.
Ein einfaches Modell, um Sozialkapital zu beschreiben, bietet die Formel TNT + BB:
Dabei steht TNT für Ties (Beziehungen), Norms (Regeln), Trust (Vertrauen) und BB für Bonding (Zusammenhalt) und Bridging (Offenheit). Jedes Element ist wichtig. Das Bild des Mobiles soll deutlich machen: Alles hängt zusammen, wenn wir eines herauslösen, kommt die ganze Gemeinschaft aus dem Gleichgewicht.
Ties – Beziehungen
Die einzelnen Beziehungsfäden stabilisieren die Gemeinschaft: Gibt es Freundschaften, Konflikte, …? Oder gibt es nur eine „Masse“ ohne Verbindungen zwischen den Menschen?
Norms – Regeln
Jede Gemeinschaft braucht formelle und informelle Regeln, auf die man sich verlassen kann. Werden diese Regeln akzeptiert oder laufend in Frage gestellt oder ignoriert? Gibt es den Raum, darüber zu reden, ob diese Regeln noch zeitgemäß sind?
Trust – Vertrauen
Ohne Vertrauen „traut“ sich keiner offen zu reden und mutig anzupacken. Kann man sich aufeinander verlassen? Dabei geht es einerseits um die Zusammenarbeit: Tun die Leute das, was sie zugesagt haben? Es geht aber auch darum, dass man sich darauf verlassen kann, dass keine „Geheimnisse“ oder privaten Details nach außen getragen werden.
Bonding – Zusammenhalt
Bonding beschreibt den Zusammenhalt nach innen. Gibt es zusätzlich zum „Funktionieren“ ein „Wir-Gefühl“ und eine Identifikation mit der Gemeinschaft? Ernst Gehmacher formuliert: „Wer die ‚Eigenen’ nicht für die Besten und Schönsten empfindet, hat kein Herz - wer das auch glaubt, hat kein Hirn.“
Bridging – Offenheit
Diese Offenheit bestimmt die „Sozialverträglichkeit“ von Gemeinschaften. Auch Räuberbanden und paramilitärische Einheiten können die ersten vier Elemente wunderbar abdecken. Das Bridging fragt: Wie offen, wie anschlussfähig, wie wohl gesonnen ist die Gemeinschaft übergeordneten und anderen Organisationen? Wie wird mit Menschen umgegangen, die anders denken und handeln? Besteht die Bereitschaft zum Dialog und zur Zusammenarbeit mit den „Anderen“?
Bis jetzt haben wir Sozialkapital aus der Sicht einer Gemeinschaft beschrieben. Man kann aber auch fragen:
Wie viel „Sozialkapital“ hat eine Person?
Wie viele Bekannte, Freunde hat eine Person? Wie stark sind diese Beziehungen, was kann sich die Person von diesen Menschen erwarten? Haben sie Zeit, wenn es darum geht, zu reden? Helfen sie konkret, wenn man größere oder kleinere Unterstützung benötigt?
In wie vielen verschiedenen Netzwerken ist eine Person eingebunden? Familie? Vereine? Unternehmen? Freundeskreise? … Wie gut gelingt der Person das „Umschalten“ und „Verbinden“ zwischen diesen Gruppen?
Nicht zuletzt kann man auch fragen: Wie stark ist die Kompetenz der Person, Sozialkapital aufzubauen? Gelingt es, neue Beziehungen zu knüpfen? Traut man sich auf Menschen zugehen, traut man sich Vereinen beizutreten? Wie funktioniert die Integration in neue Gemeinschaften? Kann die Person Beziehungen so pflegen, dass sie „halten“, wenn man sie wirklich braucht?
Wir müssen uns die Frage stellen: Wo lernt man diese Kompetenzen? Natürlich gibt es Ratgeber (zB Dale Carnegie: Wie man Freunde gewinnt), aber wie verhindert man, dass sich opportunistisch verstellt und dabei seine Authentizität verliert? Wieder landen wir beim Sozialkapital: Habe ich das Glück, in Gemeinschaften von Vorbildern lernen zu dürfen?
Posted by bp at 12:43 PM. Filed under: Artikel: fertig, in Arbeit •